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Die Azulejos
Bereits im 13. Jahrhundert führten Mauren keramische Fayencefliesen in Spanien ein, die Azulejos. Sie waren vorwiegend blau mit einem abstrakt geometrischen Muster und dienten sowohl der Innen- als auch der Außendekoration.
 
Die Majolika
Von Spanien aus gelangte die Fliesenkunst im 15. Jahrhundert über Exporte nach Italien, wo sie für Kirche und Adel gefertigt wurden. Waren spanische Motive oftmals durch einen rautenartigen Rahmen begrenzt (maureskes Quadrat), versahen die italienischen Keramikmaler ihre Motive mit viel Farbe und einem runden Rand (italienisches Medaillon). Da der Transport der Fliesen nach Italien von Málaga über Valencia führte, werden zinnglasierte italienische Tonwaren auch heute noch Majolika genannt. Von Valencia gelangten die Fliesen auch nach Frankreich. Dort entwickelte sich, besonders in Lyon, durch italienische Keramiker die aufwändige Herstellung weiter. Besonders die Renaissance-Schlösser des französischen Könighauses profitierten von der kunstvollen Fliesen-Ausstattung.
 
Die Zeit der flandernschen/ holländischen Fliesen
Im 16. Jahrhundert kam das Fliesenhandwerk nach Antwerpen, das damals zu den südlichen Niederlanden gehörte und unter spanischer Herrschaft stand. Zu jener Zeit galt Antwerpen als reichste Handelsstadt Europas. Nachdem die Niederlande im Westfälischen Frieden von 1648 von Spanien unabhängig geworden waren, entwicktelte sich Amsterdam zum neuen Handelszentrum.
 
Das Blau löst die polychrome Malerei ab
Schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts traf in Amsterdam das chinesische Porzellan mit seinem blauen Dekor ein. Schlagartig erfasste eine neue Mode die Fliesenkunst. Da das Rezept für das „weiße Gold“ unbekannt war, wurden die Porzellangefäße in Keramik nachgeahmt. Das war die Geburtsstunde des „Delfter Blau“, das von nun an die Keramikfliesen schmückte und die polychrome Motivgestaltung ablöste. Was allerdings die Produktion der blau-weißen Fliesen angeht, so war Delft nur ein Zentrum von vielen. Auch in Amsterdam, Rotterdam, Haarlem, Gouda, Utrecht und Leiden pflegte man die Kunst der Herstellung der kostbaren Keramik. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts kamen auch die friesischen Orte Harlingen, Makkum und Bolsward hin-zu. Die Vielzahl der Fliesen in Nordfriesland erklärt sich durch die engen Handelsbeziehungen mit Holland vom 17. bis Anfang des 19. Jahrhundert.
War zunächst nur das wohlhabende Bürgertum Abnehmer des Wandschmucks, so änderte sich dies mit den veränderten Produktionsmethoden. Durch die Verwendung neuer Materialien konnte die Dicke der Fliese von zwei auf einen Zentimeter reduziert werden. So konnten mehr Fliesen auf einmal gebrannt und zudem Transportkosten gespart werden.

Industrielle Fertigung
Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in England erste Versuche unternommen, Keramik zu bedrucken. Ein Jahrhundert später breitete sich die maschinelle Fliesenproduktion in ganz Europa aus. In den Niederlanden, Spanien, Italien und Portugal konnte die handgefertigte Fliese sich noch länger behaupten. In Deutschland, Belgien und Frankreich wurde sie durch Fliesenwerke verdrängt.